
Um 10:00 h versammeln sich alle Radfahrer vor der Reception. 10 Personen wollen heute etwas für ihre Gesundheit tun und schliessen sich dem Herbert an. Das Tempo ist schon recht zügig, Wolfi und ich sind am Schluss. Heutiges Ziel ist das englische Dorf - konnte mir darunter wenig vorstellen.
Schon die Letzte- und Vorletzte Touren waren sehr hektisch und heute scheint es nicht anders zu verlaufen. Ist mir eigentlich egal...... sobald ich etwas schönes sehe, halte ich an und knipse ein Photo - die Geburt von einem Schaf, das erst ein paar Minuten das Licht der Welt erblickte - ist für mich auf jedenfall ein Halt wert. Meine Fahrradkollegen habe ich schon längst aus den Augen verloren und so rase ich mit dem Turbo ihnen nach. Wolfi hat mich unterdessen auch schon vermisst und wartet hinter der nächsten Biegung. Viele Fragen über die Gegend und das Gesehene bleiben meistens unbeantwortet.
Wolfi "muss mal" und jetzt haben wir die Strampelmaxen ganz verloren. Wir sind mitten in der Pampa, und die Wege verzweigen sich...... welchen haben sie genommen?? Wir entscheiden uns für den falschen und sehen nach einer Weile unsere Kollegen auf der anderen Seite vom Bachbett. Dann nichts wie los, quer durchs Geröll auf die andere Seite. Sie wollten uns noch die warme Quelle zeigen und waren aus unsere Sicht verschwunden. Seit Jahren sprudelt hier warmes Wasser aus dem Boden, das in einem Rohr auf den Stein rinnt. Die verschiedenen Farben, die der Stein angenommen hat ist gigantisch!!
Hunde schiessen mit lautem Gebell auf uns los und wollen uns vertreiben. Die wohlverdiente Pause wird verschoben. Weiter radeln wir auf steinigen Wegen - mal rauf, dann wieder steil bergab. Das englische Dorf taucht am Horizont auf und bald schon sind wir mitten drin.
Hier haben sich viele Engländer ein Platz an der Sonne gesucht und haben ihrer nasskalten Heimat den Rücken gekehrt oder fliehen nur über den Winter. Es erstaunt mich zu sehen, dass viele Häuser zum Kauf angeboten werden. Bei meiner Rückfrage wieso, habe ich folgandes erfahren; die Häuser wurden an einem unstabilen Berghang gebaut, dieser ist immer wieder in Bewegung und setzt den Häuser arg zu mit Rissen bis zu zehn cm. Nun wollen viele verkaufen.
Auf dem Rückweg wollen wir noch Schilf mitnehmen für unsere Wäscheleine und verabschieden uns von den anderen.
Wolfi fährt heute mit der Fahrradgruppe wieder ca. 60km und so entschliesse ich mich, alleine nach Isla Plana zu radeln. Schön gemütlich, immer auf der Suche nach etwas interessantem und unvergesslichen Photos. Das Ziel ist die Karsthöhle bei Isla Plana.
Leider sind die Lichtverhältnisse in den Morgenstunden wenig optimal und ihr sieht auf dem Bild leider nicht viel. Eine stationäre Seilrolle ermöglicht den Transport der Taucherausrüstung in die Tiefe von 30m zu einem grossen Dom. Das dort beginnende, weitverzweigte Höhlensystem ist mit Süsswasser gefüllt, dass an der Oberfläche bereits über 20 Grad hat und in der Tiefe gegen 30 Grad warm ist. Die Sicht ist glasklar und bietet dem Taucher ein einzigartiges Schauspiel der Natrur. Bedingt durch die Mischung von Kalkstein, weissem Marmor kombiniert durch roten Ocker und Carbonate überrascht sie den Taucher immer wieder durch eine Vielfalt an unterschiedlichen Farben.
Das Höhlensystem ist ein Labyrinth von Galerien, Syphonen und teilweise wasserfreien Kammern. Es wird seit 30 Jahren erforscht und gilt als eines der interessantesten und gefährlichsten Spaniens. In dieser Zeit sind dort mehrere erfahrene Höhlentaucher zu Tode gekommen.
Ich fahre weiter am Meer entlang. Isla Plana ist ein kleines Touristenstädtchen aber alles ist ruhig, die schönen Strände sind leer und die kleinen Restaurants mussten vor vier Tagen erneut schliessen. Nun führt die Strasse kurz ins Landesinnere und in der Ortschaft La Azohia taucht vor mir eine tolle Strandpromenade auf. Wunderschön dieser Blick und ich sehe die Strecke die ich bereits zurück gelegt habe.
Nun, wenn ich denn schon hier bin fahre ich auch auf die Burg Torre de Santa Elena. Dieser Turm gehörte unter anderem auch zur Verteidigungslinie des General Franco im spanischen Bürgerkrieg. Abgesehen von dieser unrühmlichen Vergangenheit bietet der Turm einen fantastischen Weitblick.
Ein hilfsbereiter Spanier erklärt mir den Weg durch die engstehenden und verwinkelten Häuser und schon bald erreiche ich den Turm mit atemberaubender Aussicht über die ganze Bucht von Mazarron. Ich erkunde die ganze Gegend um die Burg, Stufen führen zu einem gewölbten Eingang mit eingemauerten Zacken, sieht von oben wie ein grosser Ofen aus. Aber alles verschlossen. Ein schmaler, kurzer Fussweg und nun habe ich die Wendeltreppe der Burg erreicht. Schon beim Hochsteigen überkommt mich ein mulmiges Gefühl, nur nicht in die Tiefe schauen. Oben angekommen kommt mir ein feuchter Geruch entgegen und der Raum ist stockdunkel. Mein Handy wirft nur ein spärliches Licht in den Raum und in der hintersten Ecke sehe ich ein Durchgang. Nein..... hier gehe ich nicht weiter, Wolfi kommt sicher mal mit mir hier her. Der Abstieg über die Leiter war alles andere als angenehm, ich halte mich verkrampft mit beiden Händen an den Stangen fest - wenn ich hier nicht übernachten will, muss ich jetzt hier durch. Niemand weiss, wo ich bin..... also los
Geschaft !! mit zittrigen Knien steige ich aufs Rad und in einer Stunde bin ich wieder beim Womo angekommen.
Bei strahlendem Wetter, aber noch recht frischen Temperaturen von 15 Grad, radeln wir heute mit unseren Nachbarn Moni und Klaus los. Unser heutiges Ziel sind die Kanonen von Mazarron. Die Fahrt beginnt gemütlich am Meer entlang, bis zum Dörfchen La Azohia wo wir ins Landesinnere abbiegen.
Der Weg wird steinig und führt in der Talsohle, zwischen zwei hohen Berge in die unberührte Natur, stetig aufwärts. Eine angenehme Ruhe umgibt uns, nur das rascheln der Pneus, die sich mühsam um die Steine kurven ist zu hören. Ich freue mich ganz besonders auf dieses Abenteuer. Die Erikasträucher sind die einzigen Farbspiele, die sich immer wieder in verschiedenen rosa bis rot Tönen von der kargen Landschaft abheben.
Je höher wir fahren, desto unglaublicher die Aussicht. Nach eineinhalb Stunden kurvenreicher Strasse bergauf, sehen wir unser Ziel vor Augen. Beim Eingangsbereich knipsen wir lustige Fotos von den Wachthäuschen. Was wir nun zu sehen bekommen erinnert mich an ein Märchenschloss - wenigstens die Fronten. Wir radeln bis zum höchsten Punkt und sehen zwei gigantische Kanonen aus dem zweiten Weltkrieg. Wolfi und ich erkunden auch die Gänge, die teilweise getarnt und geschützt in Boden liegen. Eine schmale Wendeltreppe führt in den dunkeln Keller zu dem Munitionsdepos. Am Boden sind Schienen eingelegt, so dass die Munition auf Rollen oder Wagen unter die Kanonen geschoben werden konnten, um dann in die Höhe zu gelangen. Auch entdecken wir Fotos an der Wand von feindlichen Schiffen.
Um den Hafenzugang und den Marinestützpunkt zu schützen, wurden die Artillerie-Geschütze 1933 bis 1936 aufgebaut. Der gewaltige Durchmesser 380mm konnten Projektile von fast einer Tonne 35 Kilometer weit abfeuern. Die zerstörerische Kraft wurde 1937 zuletzt gezündet und haben Angreifer wirkungsvoll vertrieben. Seitdem dienen sie zur Abschreckung und sicher auch als Tourismusmagnet, die 1997 zum Kulturgut erklärt wurde.
Bevor wir den Rückweg antreten radeln wir noch kurz vor den Kanonen den schmalen Weg hoch. Ein gewaltiger Felsbrocken will uns den Weg versperren - aber wir schlängeln uns durch und erreichen nach der nächsten Kurve ein riesiges Gebäude, mit majestätischen Säulen die an die Römerzeit erinnert. Bei meinem Nachfragen bei einem Spanier meinte er, dass es wohl eine Kopie aus dieser Epoche sei. Nach einem genussvollen Rundumblick, lösen wir uns und steigen auf die Fahrräder, denn wir haben noch einige km vor uns und die Wolken werden dichter. Eine rasante Abfahrt beginnt.......
Nach gesamten 42km sind wir wieder im Camp. Es war ein fantastischer Tag!!